Rechtliche Betreuung

160906 Rechtliche BetreuungWas ist rechtliche Betreuung?
Die rechtliche Betreuung ist an die Stelle der Vormundschaft über Volljährige und der Gebrechlichkeitspflegschaft nach früherem Recht getreten. Betreuungen werden durch die Betreuungsgerichte bei den Amtsgerichten für hilfsbedürftige Erwachsene eingerichtet, die aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst erledigen können (§ 1896 BGB).

Hier bietet sich ein Aufgabenfeld für Menschen, die gern eine verantwortungsvolle ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen möchten und, etwa nach Eintritt in den Ruhestand, auch die Zeit dazu haben. Das Ehrenamt der rechtlichen Betreuerin oder Betreuers gibt die Möglichkeit, eine wichtige Stütze im Leben eines Hilfsbedürftigen zu werden, aber auch das eigene Leben zu bereichern.

Die Betreuerin oder der Betreuer übernimmt die rechtliche Vertretung für die hilfsbedürftige Person in denjenigen Aufgabenkreisen, die im gerichtlichen Verfahren festgelegt werden. Das können zum Beispiel sein:

  • Vermögenssorge (Kontoverwaltung, Zahlungsverkehr),
  • Gesundheitssorge (Arztgespräche, Einwilligung in medizinische Maßnahmen),
  • Aufenthaltsbestimmung (Heim- oder Krankenhauseinweisung),
  • Behördenangelegenheiten (Antragstellungen).

Der Begriff "rechtliche Betreuung" bedeutet, dass die Betreuerin oder der Betreuer selbst keine tatsächliche Hilfe leisten muss, sondern dafür zuständig ist, diese zu organisieren.

Wer kann Betreuerin oder Betreuer werden?

  • Den größten Teil der Betreuungen übernehmen Ehrenamtliche, ganz überwiegend nahe Angehörige der Betroffene. Ein kleinerer Teil der Betreuungen wird beruflich geführt: von Mitarbeitern der Betreuungsvereine oder freiberuflich tätigen Betreuern. Eine Betreuung soll in der Regel nur dann durch Berufsbetreuer geführt werden, wenn keine andere geeignete Person zur Verfügung steht, die bereit ist, die Betreuung ehrenamtlich zu übernehmen.
  • Bestimmte Anforderungen sieht das Gesetz zwar nicht vor, Kenntnisse und Erfahrungen etwa aus dem kaufmännischen oder sozialen Bereich, aus dem Verwaltungs- oder Gesundheitsbereich oder aus dem Zusammenleben mit alten oder behinderten Angehörigen können aber von Vorteil sein.
  • Oft reichen aber auch Einfühlungsvermögen, Lebenserfahrung und die Bereitschaft, Neues zu lernen, aus. Der erforderliche Zeitaufwand hängt vom Umfang und der Schwierigkeit der übertragenen Betreuung ab und kann individuell abgestimmt werden.

Dringender Bedarf
Wegen der steigenden Zahl der Betreuungen haben die Betreuungsstellen der Landkreise und kreisfreien Städte zunehmend Probleme, geeignete Personen zu finden, die eine solche Aufgabe übernehmen könnten. Denn viele alte Menschen und Hochbetagte haben keine nahen Angehörigen mehr oder jedenfalls nicht mehr in der Nähe.

Haben Sie Interesse an der Übernahme einer ehrenamtlichen rechtlichen Betreuung?
Wenn Sie zu den Menschen zählen, die sich in unserem Gemeinwesen freiwillig engagieren möchten, sollten Sie die Möglichkeit erwägen, sich als ehrenamtliche rechtliche Betreuerin oder Betreuer zu betätigen.

Wie werden ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer unterstützt?
Betreuungsstellen und auch Betreuungsvereine kümmern sich um die Ehrenamtlichen. Sie führen in das Amt ein, beraten, bilden fort und bieten die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.
Die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer erhalten wahlweise Ersatz für ihre Aufwendungen oder eine pauschale Aufwandsentschädigung von zur Zeit 399 Euro pro Jahr und Betreuung.

AnsprechpartnerInnen in den Landkreisen
Wenn Ihr Interesse an der Übernahme einer ehrenamtlichen rechtlichen Betreuung geweckt ist, finden Sie in der Datenbank des Freiwilligenservers die zuständigen Ansprechpartner in Betreuungsbehörden und anerkannten Betreuungsvereinen.

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