Zur Unterstützung engagierter Bürgerinnen und Bürger startet das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration 2006 das Qualifizierungsprogramm Engagement-Lotsen Für Ehrenamtliche Niedersachsen (ELFEN). Engagement-Lotsen sollen Impulse geben für neues bürgerschaftliches Engagement, sollen Andere motivieren und helfen, wenn es Probleme gibt.
In Zusammenarbeit mit den Kommunen, lokalen Einrichtungen wie z. B. Freiwilligenagenturen und ausgewählten Bildungsträgern werden unter dem Dach der Freiwilligenakademie Niedersachsen pro Jahr bis zu 90 Personen zu Engagement-Lotsen ausgebildet.
Mit dem Qualifizierungsprogramm sollen Engagierte angesprochen werden,
- die als Engagement-Lotsen andere aktivieren und in ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützen möchten,
- die viele Kontakte in ihrer Stadt oder Gemeinde haben und
- denen eine Mentoren- oder Multiplikatorentätigkeit Spaß machen würde.
Aufgaben
Das Qualifizierungsprogramm bietet eine neue Aufgabe für Ehrenamtliche, Freiwillige und bürgerschaftlich Engagierte. Als Engagement-Lotsen für Ehrenamtliche Niedersachsen können sie dabei helfen, neue Freiwillige zu gewinnen und die Engagement fördernde Infrastruktur zu verbessern. Aufgaben für Engagement-Lotsen können zum Beispiel sein:
- Neue Ideen und Impulse für ehrenamtliches Engagement geben
- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit organisieren
- Unterstützung einwerben
- Freiwillige gewinnen und betreuen
- Vereine beraten
- Neue Projekte anregen, unterstützen und betreuen
- Freiwillige, soziale Einrichtungen, Initiativen, Kommunen, Firmen und andere Gruppen vernetzen
Profil
Gesucht werden Persönlichkeiten aller Altersstufen ab 18 Jahren, die Spaß an einer Zusammenarbeit mit Multiplikatoren in den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen haben und sich ein hohes Maß an Initiative und Motivationskraft zutrauen. Die Aufgabe der Engagement-Lotsen setzt die Fähigkeit zur klaren und gewinnenden Kommunikation voraus. Flexibilität, Begeisterungsfähigkeit, Ausdauer, die Fähigkeit zur Teamarbeit, zum Zuhören und zur Anerkennung Anderer sind weitere wichtige Persönlichkeitsmerkmale der Engagement-Lotsen.
Engagement-Lotsen sind in der Regel in das Team einer Freiwilligenagentur, einem Mehrgenerationenhaus oder einer anderen Anlaufstelle für Bürgerengagement eingebunden. Zusätzlich erhalten sie eine praxisorientierte Fortbildung und Gelegenheit zum Austausch mit anderen Engagement-Lotsen.
Wie wird man Engagement-Lotse?
Wer als Engagement-Lotse tätig werden möchte, wendet sich an die Kommune (Gemeinde, Stadt oder Landkreis), die örtliche Freiwilligenagentur, ein Mehrgenerationenhaus oder eine andere Freiwilligeninitiative vor Ort. Die Kommune bzw. Freiwilligeneinrichtung schlägt dann dem Land - vertreten durch die Freiwilligenakademie Niedersachsen (fan) - Freiwillige für das Qualifizierungsprogramm vor.
Wichtig dabei ist, dass möglichst 3 bis 5 Engagement-Lotsen aus einer Kommune oder Einrichtung stammen, damit sie nach der Ausbildung ein Vor-Ort-Kompetenzteam bilden und sich austauschen können.
Qualifizierung
Die Fortbildungen für das Qualifizierungsprogramm finden in zwei Seminarblöcken à drei Tage statt im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen und in der Evangelischen Heimvolkshochschule Loccum.
Die Kosten für die Fortbildungskurse trägt das Land, die Teilnahme an den Kursen ist kostenlos.
Seitens der Bildungsträger wird für den Kurs Bildungsurlaub beantragt.
Nach vollständiger Teilnahme und Mitwirkung am Qualifizierungskurs erhalten die Teilnehmenden ein qualifiziertes Zertifikat des Landes.
Ziel der Qualifizierung ist es, die Teilnehmenden zu motivationsstarken, innovativen und eigenständig arbeitenden Engagement-Lotsen weiterzubilden. Dazu werden in den zwei Seminarblöcken Grundinformationen gegeben, Erkenntnisse auf die Praxis übertragen und praktische Übungen durchgeführt.
1. Block:
Im ersten Teil geht es deshalb im Schwerpunkt darum, Wissen zu vermitteln über aktuelle Erkenntnisse und zentrale Ergebnisse der Forschungen im Bereich des Bür-gerengagements. Dabei sollen zugleich die besonderen Chancen und Herausforderungen des ELFEN-Programms herausgearbeitet werden. Um eine eigenständige Arbeit der Engagement-Lotsen in den Gruppen und Initiativen vor Ort zu ermögli-chen, werden Methodenkenntnisse speziell in Team- und Projektarbeit vermittelt und in Lerngruppen erprobt und eingeübt:
- Vorstellung und Austausch (Erfahrungen, Kompetenzen, Motive, Ziele)
- Informationen zur Entwicklung vom klassischen Ehrenamt zum neuen Freiwilligenengagement (Strukturen und Bedürfnisse für erfolgreiche Aktivitäten)
- Idee und Leitbild der Engagement-Lotsen in Niedersachsen
- Organisation und Erhebung zum vorhandenen Engagement, den Bedarfen und Potenzialen (lokal, regional, thematisch, nach Zielgruppen)
- Freiwilligenengagement managen (Teamarbeit, Zielplanung, Aufgabenbeschreibung und Rollenklärung, Projektarbeit)
- Planung von Aufgaben und Erkundungen
2. Block:
Ziel und Schwerpunkt des zweiten Fortbildungsteils ist es, insbesondere die kommu-nikativen Voraussetzungen zu einer effektiven Arbeit der Engagement-Lotsen vor Ort zu stärken. Dazu werden die eigenen Untersuchungen, Erhebungen und Erfahrungen aus der Praxisphase in der Seminargruppe vorgestellt und beraten. Vor dem Hintergrund der persönlichen Stärken und Interessen der Engagement-Losen gilt es, die lokalen Bereiche des Engagements ins Auge zu nehmen, neue Freiwillige für Aufgaben zu gewinnen bzw. vorhandene Initiativen, Vereine oder Institutionen in ein Netzwerk einzubinden. Diese Vermittlungstätigkeit erfordert öffentliches und persönliches Kommunizieren, das durch die Vermittlung von Wissen und praktische Übungen gestärkt werden soll:
- Vorstellung der Erkundungen und Erfahrungen vor Ort
- Fortführung von Themen aus dem 1. Block
- Gewinnung und Motivation von Freiwilligen
- Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen
- Öffentliche Kommunikation und Netzwerkbildung (Runde Tische und Partnerschaften, Öffentlichkeitsarbeit)
- Arbeit in Gruppen und Umgang mit Störungen
Lernorganisation und Methoden:
Der Qualifizierungskurs wird in Kooperation mit der Freiwilligenakademie Niedersachsen veranstaltet und findet wegen seiner besonderen Konzentration auf ein intensives soziales Lernen in überregionalen Bildungshäusern statt. Dazu gehören die üblichen Methoden der Erwachsenenbildung (Vortrag, Präsentation, Diskussion, Gruppenarbeit, Rollenspiel, Fallbesprechung, Literatur- oder Internet-Recherche).
Zwei Seminarblöcke à drei Tage mit einem Zwischenraum von ca. drei Monaten garantieren eine sachliche Einführung, eine zwischenzeitliche Erkundungs- und Praxisphase mit der anschließenden Gelegenheit zur Auswertung und Vertiefung im zweiten Kursblock.
Lokale Projekte
Als Anschubfinanzierung und zur Unterstützung von Maßnahmen für erste Praxis-Projekte vor Ort sowie den Aufbau lokaler Freiwilligen-Netzwerke erfolgt eine pauschale Förderung in Höhe von 500 ? an die vor Ort federführende Trägereinrichtung durch das Land. Die von der Engagementförderung profitierende Kommune fördert die Durchführung der Maßnahme mit einem Pauschalbetrag in gleicher Höhe.
Versicherung
Engagement-Lotsen sind während Ihrer freiwilligen und ehrenamtlichen Tätigkeit versichert.
Koordination / Anfragen
Wenn Sie als Engagement-Lotse tätig werden wollen, wenden Sie sich an Ihre Kommune (Gemeinde, Stadt oder Landkreis), bzw. Ihre Freiwilligenagentur oder eine andere Freiwilligeninitiative vor Ort. Die Kommune schlägt dann dem Land - vertreten durch die Freiwilligenakademie Niedersachsen (fan) - Freiwillige für das Qualifizierungsprogramm vor.
Die Freiwilligenakademie Niedersachsen (fan) organisiert das Qualifizierungsprogramm im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration. Die Kurse finden jeweils im Frühjahr bzw. im Herbst in den Heimvolkshochschulen Lingen (für West- und Nordniedersachsen) und Loccum (für Ost- und Südniedersachsen) statt.
Bewerbungen sind zu richten an:
Freiwilligenakademie Niedersachsen
Tel. 0511 / 300344-77
Fax 0511 / 300344-89
E-Mail: info@freiwilligenakademie.de
Internet: www.freiwilligenakademie.de
Info-Flyer zum Download (PDF, 583 KB)
