Ministerpräsident Wulff: "Niedersachsen ist Musterland für freiwilliges Engagement"
Hannover, 03.05.2005. "Niedersachsen ist ein Land des Ehrenamts. Nach einer demnächst veröffentlichten Studie belegen wir beim freiwilligen Engagement im bundesweiten Vergleich gemeinsam mit Bayern Platz Drei. Das ist ein großartiges Signal", sagte Ministerpräsident Christian Wulff heute in Hannover.
Das Institut TNS Infratest Sozialforschung München hat heute die von der Staatskanzlei in Auftrag gegebene Landesstudie "Freiwilligensurvey 2004" in Hannover präsentiert. Danach engagieren sich immer mehr Menschen in Niedersachsen freiwillig für die Gemeinschaft: Mit 2,4 Millionen Menschen sind hier zu Lande 37 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren bürgerschaftlich aktiv. Das sind sechs Prozent mehr als bei der ersten Erhebung 1999 mit 31 Prozent. Weitere 30 Prozent der Befragten haben Interesse an einer erneuten ehrenamtlichen Tätigkeit oder den erstmaligen Einstieg bekundet. Dies wären hochgerechnet fast zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger.
"Das große Engagement der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land verdeutlicht, dass die Niedersachsen eine "Ellenbogengesellschaft" ablehnen. Bei uns stehen das Engagement für den Nächsten oder der Einsatz für das Gemeinwohl hoch im Kurs", sagte Wulff. Der überdurchschnittliche Zuwachs bei den Engagierten resultiert vor allem aus der vermehrten Bereitschaft der Menschen ab 46 Jahre. Insbesondere in der Altersgruppe der 66-Jährigen und älter wurde im Vergleich zu 1999 ein verstärkter Zuwachs festgestellt.
Der bürgerschaftliche Einsatz ist vielfältig: Die Aktiven kümmern sich in ihrer Freizeit um betreuungsbedürftige Nachbarn, trainieren Jugendmannschaften, unterstützen Zuwanderer oder sind als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr im Notfall bereit, ihr Leben für andere zu riskieren. Mit 11,5 Prozent sind die meisten Menschen im Bereich Sport aktiv. Mit jeweils 6 Prozent folgen die Bereiche Freizeit und Geselligkeit, Schule und Kindergarten sowie Kirche und Religion. Weitere größere Felder sind der soziale Bereich mit 5,5 Prozent sowie Kultur und Musik mit 5 Prozent.
Die regionalen Schwerpunkte des Engagements finden sich in den städtischen Randgebieten (41 Prozent Engagementquote) und in den ländlichen Gebieten (37 Prozent). Unterdurchschnittlich sind die städtischen Kernbereiche (31 Prozent) vertreten. Als Motivation für ihr Engagement nannten viele Befragte das zunehmende Interesse, soziale Angelegenheiten auch in die eigenen Hände zu nehmen. Freiwillige betreiben etwa Freibäder oder renovieren historische Gebäude. Mehr als 60 Prozent Befragten nannten als Grund für ihr Engagement, "die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitgestalten" zu wollen. Weitere Gründe waren "mit anderen Menschen zusammen zu kommen" und sich an Aufgaben beteiligen zu wollen, "die gemacht werden müssen". Ministerpräsident Wulff: "Das korrespondiert mit unserem Politikstil in Niedersachsen. Wir unterstützen bürgerschaftliches Engagement mit verschiedenen Projekten: mit Wettbewerben, mit einem Versicherungsschutz für Aktive und mit gesellschaftlicher Anerkennung. Der Staat muss auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Das gilt besonders in Zeiten knapper Kassen."
Wichtigste Organisationsform für das freiwillige Engagement ist der Verein mit 45 Prozent (Anstieg gegenüber 1999 von 41 auf 45 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen kirchliche/religiöse Organisationen (14 Prozent) und staatliche/kommunale Einrichtungen (12 Prozent). Stark zurückgegangen ist das Engagement in Verbänden, Parteien und Gewerkschaften (von 16 Prozent in 1999 auf 12 Prozent in 2004) sowie in Gruppen und Initiativen (von 16 auf 11 Prozent).
Die Befragten wünschen sich von den Trägerorganisationen vorrangig die Absicherung der Projektmittel (63 Prozent), danach folgen eine bessere Bereitstellung von Räumen und Sachmitteln (41 Prozent) und mehr fachliche Unterstützung bei der Tätigkeit (33 Prozent). Eine bessere finanzielle Vergütung für die Aktiven (25 Prozent) spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Die Ehrenamtlichen wünschen sich von Staat und Öffentlichkeit vor allem "bessere Information über Möglichkeiten des freiwilligen Engagements" (51 Prozent), mehr "Anerkennung durch Berichte in Presse und Medien" (48 Prozent), sowie eine bessere steuerliche Absetzbarkeit der Aufwandsentschädigungen und der Unkosten" (43 Prozent). Die Aktivitäten der Landesregierung für einen verbesserten Versicherungsschutz haben bereits Wirkung gezeigt. Der "Wunsch nach einer besseren Absicherung durch Haftpflicht- und Unfallversicherung" (33 Prozent) hat im Vergleich zu 1999 abgenommen. Die Ergebnisse des zweiten Freiwilligensurvey zeigen ein deutliches Bild: "Niedersachsen ist Musterland für freiwilliges Engagement. Und: im Vergleich zu 1999 sind besonders in Südniedersachsen mehr Engagierte in Vereinen, Gruppen und Initiativen tätig. So konnte der Abstand zwischen Nord- und Südniedersachsen überwunden werden. Mit 37 Prozent haben wir eine landesweit einheitliche Engagementquote. Das ist ein großartiger Erfolg, den wir weiter ausbauen wollen", sagte Wulff. Es sei etwas sehr besonderes, sich für andere einzusetzen: "Wer sich gemeinsam mit anderen für andere einsetzt, tut auch etwas für sich: Er gibt seinem Leben mehr Sinn und er bekommt viel zurück. Das ist vermutlich der Grund, warum bürgerschaftlich Aktive länger leben."
Den Freiwilligensurvey 2004 können Sie sich hier kostenlos herunterladen (PDF, 600 KB).
