Stiftungen als gesellschaftliches Phänomen

210209 Sinnbild wachsendes GeldBerlin, 09.02.2021. Stiftungen sind kein Phänomen der Neuzeit. Sie gehören ebenso wie freiwillige Vereinigungen zu den ältesten kulturellen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte.

Dr. Rupert Graf Strachwitz, Politikwissenschaftler und Vorstand der Maecenata-Stiftung vergleicht in einem Beitrag auf dem Portal der BBE das Stiftungswesen in Deutschland und Frankreich. Er stellt die besondere Situation in Frankreich dar, die von einer jahrhundertelangen weitgehenden Unterbrechung und fortgesetztem staatlichem Misstrauen gegen Stiftungen geprägt ist. Dabei geht er auf die heutigen Rechtsformen und deren sehr unterschiedliche Beliebtheit für stifterisches Engagement ein. Im Vergleich mit Deutschland thematisiert er gemeinsame Herausforderungen und Angriffe, mit denen sich die stifterische Philanthropie heute auseinandersetzen muss.

Folgend ein Auschnitt:

Stiftungen sind kein Phänomen der Neuzeit, der Moderne oder gar der Demokratie. Sie gehören vielmehr – übrigens ebenso wie freiwillige Vereinigungen – zu den ältesten kulturellen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Im euro-mediterranen Kulturkreis lassen sie sich im alten Ägypten ebenso nachweisen wie in der griechischen Polis und im römischen Imperium.

Einen Meilenstein in der Entwicklung des europäischen und islamischen Stiftungswesens setzte im 6. Jahrhundert Kaiser Justinian, als er im Rahmen seiner Sammlung des römischen Rechts, dem Codex Justinianus, auch das Stiftungsrecht kodifizierte. Auf die dort normierte Idee der pia causa, die zugleich einen theoretischen und organisatorischen Zusammenhangzu der im 4. Jahrhundert zur Staatskirche aufgestiegenen christlichen (und später ebenso zur islamischen) Religionsgemeinschaft begründete, führt sich das moderne Stiftungsrecht zurück. Es hat sich durch den Einfluß der europäischen Kolonialmächte und der USA weltweit durchgesetzt, auch wenn außereuropäische Kulturen ebenso früh eigene Stiftungskulturen entwickelt haben.

Allen ist gemeinsam, daß die Stiftung im Kern als eine an die Intentionen der Stifterpersönlichkeit(en) gebundene Einrichtung zu sehen ist, die sich durch dieses Merkmal fundamental vom permanenten Willensbildungsprozeß in assoziativen Organisationsformen unterscheidet. Trotz dieser prinzipiellen Gemeinsamkeiten kann es nicht überraschen, daß sich das konkrete Stiftungswesen in unterschiedlichen Kultur-, Rechts-, Herrschafts-und Traditionszusammenhängen unterschiedlich entwickelt hat. Frankreich nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung ein. Während das Stiftungswesen sonst eine bemerkenswerte, in Deutschland geradezu erstaunliche Kontinuität aufweist, hat es in Frankreich einen tiefen und lang anhaltenden Bruch erlebt, von dem es sich bis heute nicht erholt hat. Auch heute sind die Rahmenbedingungen merklich andere als anderswo.

In einem allerdings sind das französische und das deutsche Stiftungswesen sehr ähnlich und unterscheiden sich von dem in anderen europäischen Ländern: Mit wenigen Ausnahmen sind sie Ausdruck des bürgerschaftlichen Engagements für das Gemeinwohl, nicht Versorgungseinrichtungen für die Stifterfamilie.

Quelle: Website BBE


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