Briefwechsel mit Inhaftierten

210614 Geschenkpaket mit GebäckHannover, 14.06.2021. "Menschen sind mehr als ihre Straftat. Wir wollen Delikte nicht verharmlosen. Jeder soll die Chance bekommen zu lernen, das eigene Leben neu auszurichten."

"Ich lasse mir beim Auspacken der Geschenke viel Zeit", erzählt ein Inhaftierter dem Geschäftsführer der christlichen Straffälligenhilfe 'Schwarzes Kreuz'ö, Otfried Junk. Für viele Inhaftierte sind die Geschenkpakete etwas Besonderes. 1456 Pakete wurden im Jahr 2020 an Gefängnisse bundesweit verschickt - kleine Genusspakete mit Gebäck, Süßigkeiten, Kaffee oder Tabak.

"Die Pakete werden nicht direkt an Inhaftierte geschickt. Alles geschieht anonymisiert", sagt Junk. "Gerade in der Weihnachtszeit fühlen sich Inhaftierte oft noch einsamer und verzweifelter. Da ist die Freude groß, wenn jemand an einen gedacht hat", so Junk. Es ist in aller Regel das einzige Geschenk, das sie bekommen. In fast allen Bundesländern dürfen aus Sicherheitsgründen keine Präsente von Angehörigen an Insassen versendet werden. Das gilt auch für Niedersachsen.

Seit 1925 unterstützt das "Schwarze Kreuz" Straffällige und deren Angehörige. Neben hauptamtlichen Mitarbeitenden engagieren sich bundesweit Ehrenamtliche, um Inhaftierte und Haftentlassene durch Briefkontakte, Besuche oder Veranstaltungen wie Gesprächskreise zu unterstützen und zu begleiten.

"Ehrenamtliche können einfach Zeit mit den inhaftierten Menschen verbringen, über Fußball oder das Fernsehprogramm reden. Sie wünschen sich ein Stück Normalität", sagt Otfried Junk. "Der Kontakt zwischen Inhaftierten und Ehrenamtlichen ist keine Einbahnstraße. Die Perspektive von Menschen in Haft auf das Leben kann sehr wertvoll sein", fügt Ute Passarge hinzu. Sie ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit und die Begleitung der Ehrenamtlichen.

"Freiwillige Unterstützerinnen und Unterstützer haben persönliche Beziehungen zu den Menschen in Haft und müssen keine fachliche Beratung leisten. Das ist ein großer Vorteil. Sie sollten aber auch ihre Grenzen kennen", so Passarge. Um Freiwillige bestmöglich in ihrem Ehrenamt auszubilden, gibt es zunächst ein persönliches Gespräch, um Fragen zu klären und zu schauen, welches Einsatzgebiet am besten passt.

Über Studienbriefe und einen dreiteiligen Online-Kurs lernen Interessierte mehr über die "Lebenswelt Gefängnis" kennen und werden auf ihr künftiges Ehrenamt vorbereitet. Trotz guter Einführungs-Seminare tauchen immer wieder Fragen auf: "Warum meldet sich niemand zurück? Wie soll man auf bestimmte Dinge reagieren?", erzählt Passarge. "Manchmal haben beide Seiten unterschiedliche Erwartungen aneinander. Meist jedoch sind sie sehr zufrieden mit ihrem Briefkontakt und empfinden ihn als große Bereicherung ihres Lebens."

Um Inhaftierte, Haftentlassene und Angehörige vor Ort in Celle zu begleiten, wurde 1988 vom "Schwarzen Kreuz" das "Projekt Brückenbau" ins Leben gerufen. Dort finden sie eine fachliche Beratung durch hauptamtliche Mitarbeitende, treffen jedoch auch Ehrenamtliche bei Gruppenveranstaltungen, wie z.B. im Kreativcafé mit wechselnden Kursangeboten: Adventsbasteln, Erste-Hilfe-Kurse oder Palettenmöbel selbst bauen. Bis zur Teilnahme ist es ein langer Weg. Freundschaftliche Beziehungen können kaum entstehen, denn Haft bedeutet immer Isolation und Ausgrenzung. Im Kreativcafé können Inhaftierte neue Kontakte knüpfen."

Quelle: Website Diakonie Niedersachsen

Foto: Symbolbild: geöffnetes Geschenkpaket (Quelle: Schwarzes Kreuz Celle)

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