Niedersächsischer Fachtag zum Ehrenamt in Georgsmarienhütte

Georgsmarienhütte, 20.06.2011. Zu viele Regeln und komplizierte Vorschriften erschweren das freiwillige Engagement der Bürger. Das ist ein wichtiges Fazit der Niedersächsischen Fachtagung "Beteiligung durch Ehrenamt" am 18. Juni 2011 in Georgsmarienhütte.

Zu viele Regeln und komplizierte Vorschriften erschweren das freiwillige Engagement der Bürger. Das ist ein wichtiges Fazit der Niedersächsischen Fachtagung "Beteiligung durch Ehrenamt" am 18. Juni 2011 in Georgsmarienhütte.

Über 80 Vertreter von Vereinen, Verbänden, Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen waren der Einladung des Zentrums für ehrenamtliches Engagement in die Katholische LandvolkHochschule Oesede gefolgt, um gemeinsam den Stellenwert des Ehrenamts zu beleuchten und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

"Obwohl sich in Deutschland jeder Dritte ehrenamtlich engagiert, dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen", machte Peter Klösener vom Zentrum für ehrenamtliches Engagement deutlich. Auffällig sei, dass Menschen, denen es nicht so gut gehe, im Ehrenamt deutlich unterrepräsentiert seien.

Arbeitslose, junge Leute ohne Ausbildungsplatz, von Armut bedrohte Menschen oder Personen mit Migrationshintergrund beispielsweise fühlten sich in den Strukturen des Ehrenamtes oft nicht wohl. Das bestätigte Dr. Dursun Tan vom Niedersächsischen Sozialministerium. Migranten würden sich eher in der nachbarschaftlichen Umgebung, als in den "klassischen deutschen ehrenamtlichen Strukturen" engagieren.

Dass das nicht so sein muss, zeigten Projekte aus Niedersachsen, Bremen und den Niederlanden, die bei der Fachtagung in verschiedenen Workshops vorgestellt wurden. Anhand von zehn gelungenen Beispielen erarbeiteten die Teilnehmer, was Organisationen beachten müssen, um freiwillig Engagierte erfolgreich zur Mitarbeit motivieren zu können.

Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer an der Veranstaltung von der Projektvorstellung des Theaterprojektes "Wilde Bühne" aus Bremen. Ehemalige Drogenabhängige engagieren sich hier ehrenamtlich und schreiben selbst Theaterstücke über ihre Sucht. Sie führen sie im Rahmen von Präventionsprojekten vor Schulklassen vor und führen Gespräche mit Kindern und Jugendlichen.

Meike und Marvin, beide Anfang 20, machten deutlich, dass die "Wilde Bühne" für sie ein wichtiger Halt sei. Sie fühlten sich dort angenommen und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sei eine wichtige Aufgabe. Sie könnten hier ihre Ideen umsetzen.

Die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen, bezeichnete Alfons Rupert aus den Niederlanden als Grundlage für den motivierten Einsatz von Ehrenamtlichen. Er stellte das "Kulturhuske" vor, eine Begegnungsstätte im Stadtteil Hengelo-Süd, wo hauptsächlich Menschen mit geringem Einkommen wohnen.

Im "Kulturhuske" kommen Menschen unterschiedlicher Nationalität zusammen und gestalten das Programm selbst. Der Raum zum eigenen Engagement werde nicht durch ein kompliziertes Regelwerk eingeschränkt, sondern man traue den Menschen zu, ihre Fähigkeiten zum Wohl der Gemeinschaft einzusetzen.

Die Ergebnisse aus den Workshops mit den gelungenen Beispielen wurden anschließend in einer Runde mit Vertretern aus Politik und Verbänden diskutiert. Ansgar Pohlmann, Bürgermeister von Georgsmarienhütte, Annette Niermann, Sprecherin der Osnabrücker Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Caritasdirektor Franz Loth gaben ihre Einschätzungen zu den Empfehlungen der Veranstaltungsteilnehmer, wie die Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche verbessert werden können.

Eine wichtige Forderung der Teilnehmer an der Fachtagung lautete, man müsse die "Projektitis" abbauen. Gemeint war der zunehmende Trend, seitens der Politik bestimmte Projekte auszuschreiben, auf die sich Organisationen und Verbände mit meist hohem Verwaltungsaufwand bewerben müssten. Außerdem müssten die Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, noch besser veröffentlicht werden.

Das Zentrum für ehrenamtliches Engagement will das Thema der Fachtagung, die durch das Land Niedersachsen und die Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück gefördert wurde, weiter verfolgen und dazu mit interessierten Organisationen in einem Netzwerk zusammenarbeiten. Zahlreiche Teilnehmer äußerten bereits ihr Interesse an einer Mitarbeit. Informationen dazu erteilt Peter Klösener, Tel.: 05401 / 866817, http://www.klvhs.de.

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