Yallah! - Wie junge Muslime sich in Deutschland engagieren

170411 YallahStuttgart, 11.04.2017. Ob spielerisch, kritisch oder beim Fair Trade Fastenbrechen - mit ihrem ehrenamtlichen Engagement wollen junge Muslime in Deutschland etwas verändern und ein positives Islambild zeigen.

Mit dem Programm "Yallah! Junge Muslime engagieren sich" fördert die Robert Bosch Stiftung dieses Engagement. Dabei begegnen den jungen Leuten nicht nur alte Vorurteile, sondern vor allem viel Neugier. Bei der "Yallah!" Projektwerkstatt in Berlin kamen junge Muslime aus ganz Deutschland zusammen und sprachen über ihr ehrenamtliches Engagement.

Reden über den Islam
"Wir müssen mehr über den Islam reden. Weil es Probleme gibt." Die Tiefe seiner Stimme überrascht - Yasser Haji Mohamad ist erst 19. Er kommt aus Aleppo in Syrien und will in Deutschland Medizin studieren. Sein Deutsch ist flüssig, fast fehlerfrei. Obwohl er erst ein Jahr und zwei Monate hier ist. Yasser vermisst Syrien, dort ging er oft mit Freunden in die Moschee. "Die ist bei uns ein Treffpunkt und die Religion Teil des Alltags." Das fehlt ihm in seiner neuen Heimat, dem schwäbischen Mötzingen. "Der Spirit ist ein anderer."

Das Islam-Quiz macht neugierig
Mit seinem 15-jährigen Freund Mehmet Arslan hat Yasser ein "Mobiles Dialog-Zelt" gegründet. Unterstützt werden sie vom Verein Förderung deutschsprachigen Moscheeunterrichts (FödeM) Herrenberg. Im Dialog-Zelt können sich Muslime auf Deutsch über den Islam austauschen. Nicht-Muslime lernen ihn bei einem Quiz besser kennen. Studenten der islamischen Theologie haben die Fragen mitentwickelt, der Gewinner bekommt eine Tafel Schokolade. Yasser freut sich über die Neugier vieler Besucher. "Die wollen wissen, warum wir fasten, oder wie die Rolle der Frau ist." Er würde gerne ein "positiveres Bild vom Islam vermitteln als das in den Medien".

Abbau von Vorurteilen
Die 24-jährige Hafssa El-Bouhamouchi hat gerade ihren Master in Islamwissenschaft und Geschichte abgeschlossen. Ihre Eltern kamen aus Marokko nach Bielefeld. "Warum ist das wichtig?", fragt sie. Der Generation ihrer Eltern habe der Mut gefehlt. "Die kamen als Gastarbeiter. Aber wir müssen den Mund aufmachen und Vorurteile abbauen."
Auch wenn sie selbst noch nicht direkt angegriffen wurde, weiß sie um die Vorurteile in vielen Köpfen. "Ich als Frau, Muslimin und Kopftuchträgerin bin per se eine Zielscheibe, aber subtiler - in meinem Umfeld ist man auf politische Korrektheit bedacht." Hafssa wünscht sich eine differenziertere Auseinandersetzung über den Islam.

Modernes Fastenbrechen: Regional, biologisch und fair gehandelt
Auch die Darmstädterin Asyel Ceylan hat zu kämpfen. Nicht so sehr mit Vorurteilen wie mit Unverständnis. "Vielen Freunden will der Ramadan nicht in den Kopf. Die sagen: ‚Krass, ich würde das nicht durchhalten.´"
Aysel und das Iman Bildungs- und Freizeitzentrum muslimischer Frauen e. V. organisieren einmal im Jahr das "Open (f)air Fastenbrechen", ein Event, das es mittlerweile in vielen Städten gibt. "Wir sind stolz darauf, in Darmstadt den Grundstein gelegt zu haben", sagt Aysel, die Juristin ist und berufsbegleitend Erzieherin lernt. Letztes Mal seien dreitausend Leute aus über dreißig Ländern gekommen. Die Diakonie war mit an Bord, hielt Vorträge. "Nur ein jüdischer Referent fehlt uns noch", sagt sie, aber die Suche gehe weiter.

(Textauszug)

Quelle und Gesamttext: Website Robert-Bosch-Stiftung

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