Teilhabe von Anfang an ermöglichen

160711 Teilhabe von Anfang anBerlin, 11.07.2016. "Noch vor zwei Jahren hätte niemand gedacht, dass so viele Menschen helfen wollen", sagte Aydan Özoguz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, zur Eröffnung der Berliner Fachtagung "Integration heißt Teilhabe".

Damit die politische und gesellschaftliche Teilhabe von Flüchtlingen gelingen kann, darüber tauschten sich auf der Fachtagung der Stiftung Mitarbeit, die am 21. und 22. Juni 2016 in der Berliner Repräsentanz der Stiftung stattfand, rund 150 Teilnehmer/innen aus.

Selten war die Bereitschaft ein Ehrenamt zu übernehmen so hoch, und noch nie entstanden so viele neue Initiativen in so kurzer Zeit. Denn Flüchtlingsarbeit geschieht vor Ort, in den Kommunen, in Vereinen, Nachbarschaftszentren und Schulen. Genau das stellt den zivilgesellschaftlichen Sektor vor neue Herausforderungen:

  • Wie können sich die Organisationen vernetzen?
  • Wie werden Helfer ausreichend geschult und auf die Aufgaben vorbereitet?
  • Wie geht man mit der Heterogenität der zivilgesellschaftlichen Akteure um?
  • Wie kommen wir weg von einem "über Flüchtlinge reden" hin zu einem gemeinsamen Arbeiten an gesellschaftlichen Fragen, Themen und Aktivitäten?

In mehreren Workshops wurden diese aktuellen Themen diskutiert. So sprachen beispielsweise in der Runde "Integration geschieht im Stadtteil" Vertreter von Städten, städtischen Einrichtungen und ehrenamtlich engagierte Teilnehmer darüber, wie Partizipation direkt vor Ort gelingen kann. Dabei kam heraus, dass die Flüchtlinge schon in kleine Entscheidungen mit eingebunden werden sollten. "Wir planen oft Aktivitäten und Veranstaltungen, um die Geflüchteten stärker einzubeziehen, aber wir vergessen oft, die Menschen selbst zu fragen, was sie wollen", meldete sich eine Teilnehmerin zu Wort. Isabelle Franz von der Freiwilligenagentur Volkssolidarität Spremberg in Brandenburg stimmte dem zu: "Man spricht so gerne über, aber nicht mit den Menschen". Bei der Gestaltung eines Integrationskonzepts in ihrer Stadt regte sie an, eine Person mit Fluchterfahrung in den Arbeitskreis aufzunehmen, um die wirklichen Problempunkte erkennen zu können.

Am Ende der Veranstaltung brachte Professor Dr. Roland Roth die Thematik auf den Punkt: "Flüchtlinge, die heute hier sind, haben ein Anrecht auf Teilhabe". Aktiv werden in diesem Feld sei fast notgedrungen ein politisches Thema, es gehe dabei "um das Öffnen oder Schließen unserer Gesellschaft". Deshalb sollte bürgerschaftliches Engagement mehr Gehör auf politischer Ebene finden, so Roth.

Um das zu erreichen, fand abschließend ein Forumsgespräch mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft statt, bei dem die Ergebnisse und Anstöße aus den Workshops diskutiert wurden. Das Fazit war ein Appell, auch über Sektorengrenzen hinweg ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen - und die Ermutigung an alle Ehrenamtlichen, Selbstvertrauen für die geleistete Arbeit zu zeigen.

Quelle und weitere Information: Website Robert Bosch Stiftung
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