Freiwilligen-Akademie Niedersachsen im Interview

Hannover, 30.03.2005. In einem Interview für den Newsletter "Akquisos" der Bundeszentrale für politische Bildung gibt Ingrid Erhardt, Leiterin des Freiwilligenzentrums Hannover, Auskunft über die Arbeit der BONUS Freiwilligen-Akademie Niedersachsen (FAN).

Die BONUS Freiwilligen-Akademie Niedersachsen (FAN) hat es sich zum Ziel gesetzt, bürgerschaftliches Engagement in Niedersachsen zu fördern und zu stärken. Die Akademie hat eine gemischte Trägerschaft, wodurch ein vielfältiges Programm angeboten werden kann. Die FAN ist ein niedersachsenweiter Verbund von Freiwilligenagenturen, Initiativen, Bildungsstätten und Wohlfahrtseinrichtungen, die gemeinsam ein für bürgerschaftliches Engagement relevantes Qualifizierungsprogramm entwickeln und an verschiedenen Orten in Niedersachsen anbieten. 

1010_LTDas aktuelle Programm steht unter www.freiwilligenakademie.de zum Download bereit. Seit 2004 ist das Freiwilligenzentrum Hannover e.V. der geschäftsführende Träger der Akademie. Sowohl freiwillige/ehrenamtliche als auch berufliche/hauptamtliche Mitarbeiter/innen können von der Akademie Weiter- und Fortbildung (alltägliches Handwerkszeug, Fachwissen, Beratung und Begleitung) erfahren. Das Lehrangebot besteht aus vier unterschiedlichen Modulen. Die Interessenten können zwischen Kursen wählen, die Fachwissen in bestimmten Einsatzfeldern vermitteln oder in denen sie neue Methoden oder Konzepte kennen lernen. Zudem ist eine auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Organisations- oder Teamberatung möglich. Durch gemeinsame Programmangebote für Freiwillige/Ehrenamtliche und Berufliche/ Hauptamtliche soll eine erfolgreiche Zusammenarbeit gefördert und unterstützt werden.

Akquisos sprach mit Ingrid Erhardt, der Leiterin des Freiwilligenzentrums Hannover e.V., über das breit gefächerte Angebot der Freiwilligen-Akademie.

Akquisos:

Wie setzt sich die Trägerschaft der Freiwilligen-Akademie genau zusammen?

Ingrid Erhardt:

Die Trägerschaft besteht aus Weiterbildungseinrichtungen - von Heimvolkshochschulen über Stiftungen bis zur ZEW der Universität Hannover, aus Freiwilligenagenturen, Verbänden und Initiativen. Die Trägerschaft hat zurzeit noch ein Übergewicht im Bereich der gemeindlichen Verbände - dies ändert sich aber gerade. Noch in diesem Jahr werden weitere Träger aus anderen gesellschaftlichen Milieus und aus anderen Gebieten Niedersachsens dazukommen.

Akquisos:

Was wird in den vier Modulen Ihres Lehrangebots vermittelt?

Ingrid Erhardt:

Die vier Module sind A) Inhaltlicher Schwerpunkt, B) Methodenseminare, C) Begleitende Maßnahmen und D) Organisationsberatung. Zu A) zählen wir Kurse für Ehrenamtliche in speziellen Tätigkeitsfeldern, z. B. Kindergarten, Schule, Justiz oder Kirchengemeinde. Die Methodenseminare richten sich an Freiwillige und Berufliche. Dort werden z. B. grundlegende Kenntnisse aus den Bereichen Moderation, Rhetorik und Gruppenleitung vermittelt. Zu C), den begleitenden Maßnahmen, gehören u. a. Stress- oder Zeitmanagement, Reflexion und Supervision. Bei der Organisationsberatung bieten wir Kurse oder Inhouse-Seminare zu allen Fragen des Vereinsmanagements, so z. B. zu Fundraising und zu Freiwilligenmanagement mit Best- Practice-Beispielen.

Akquisos:

Was erwartet Ehrenamtliche und Hauptamtliche bei gemeinsamen Programmpunkten und was ist der Nutzen für die Teilnehmenden?

Ingrid Erhardt:

Gemeinsame Kurse für Freiwillige und Hauptamtliche ergeben sich in vielen Fällen ganz natürlich. Was in einer Einrichtung ein Freiwilliger macht, ist in einer anderen Initiative die Aufgabe für Hauptamtliche. Beide brauchen heute für eine qualitätsvolle Arbeit professionelles Know-How. Wenn beide "Kräfte" im Kurs zusammentreffen, kann das das Verständnis für die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen nur vertiefen.

Akquisos:

Wie schätzen Sie die Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland ein? Inwieweit könnten sich die Anforderungen für Freiwillige und Berufliche in den nächsten Jahren verändern?

Ingrid Erhardt:

Erfreulicherweise steigt die Bereitschaft der Menschen, sich in sinnvoller Weise für das Gemeinwesen zu engagieren, stetig. Dieser Trend ist für die Entwicklung zur Zivilgesellschaft auch notwendig. Er muss sich sogar noch verstärken angesichts der mehr und mehr gefragten Selbstverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Vielfach wird den Engagierten vorgehalten, ihre Tätigkeit sei überwiegend "lustbetont". Der erwartete Spaßfaktor erleichtert aber für sehr viele Menschen einen Einstieg ins Engagement. Aus der positiven Selbsterfahrung und Horizonterweiterung heraus, wird der Einzelne den Gewinn seines Einsatzes (hoffentlich) kommunizieren und ist eventuell in der Lage, seine Erkenntnisse auf andere Tätigkeitsfelder zu übertragen. Es ist immer sehr schwer, Vorhersagen zu machen. Erwarten können wir, dass sich für die Beruflichen die Arbeitssituation deutlich verändert. Der Abbau von Fördermitteln bedeutet in der Regel eine weitere Verdichtung und Zunahme von Komplexität. Komplexität erschwert Arbeitsteiligkeit. Die Einbindung von Freiwilligen wird dadurch komplizierter und aufwändiger. Von Freiwilligen und von Beruflichen werden in zunehmendem Maße kommunikative und psychologische Fähigkeiten erwartet. Teamarbeit, Takt, Einfühlungsvermögen, Überblick, Flexibilität, Begeisterungsfähigkeit und Verantwortlichkeit, sind neben den harten Kenntnissen wie PC- und Internetbeherrschung das A und O der Bürgerengagement-Entwicklung.

Akquisos:

Welche Rolle spielt das Freiwilligenzentrum Hannover als geschäftsführender Träger? Wie finanziert sich die BONUS Freiwilligenakademie?

Ingrid Erhardt:

Die Bonus Freiwilligenakademie Niedersachsen wird finanziert durch Zuschüsse des Niedersächsischen Sozialministeriums, durch Spenden und durch Beiträge der Träger. Das Freiwilligenzentrum unterstützt als geschäftsführender Träger die Freiwilligenakademie in besonderem Maße. Neben einer finanziellen Eigenbeteiligung stellt das Freiwilligenzentrum zur Realisierung der Akademieziele Know-How und Arbeitszeit der Leiterin sowie die gewachsenen Netzwerke und Arbeitsbeziehungen zur Verfügung. Das Freiwilligenzentrum Hannover hat sich in den sechs Jahren seiner Tätigkeit an zahlreichen überregionalen Projekten, Aktionen und Unternehmungen zur Förderung des Bürgerengagements beteiligt. Bereits zweimal wurde das Freiwilligenzentrum für seine Arbeit ausgezeichnet. Insofern kann es der Weiterentwicklung der Freiwilligenakademie mit Kompetenz im Engagementbereich, mit Projektmanagement-Know-how und mit einer guten Portion Image hervorragende Dienste leisten.

Akquisos:

Wie wird das Programm abgestimmt und wo finden die einzelnen Veranstaltungen statt?

Ingrid Erhardt:

Die Akademie ist Initiator und Koordinator eines zukünftig flächendeckenden Weiterbildungsangebots für Freiwillige und Hauptamtliche in gemeinnützigen Engagement- und Arbeitszusammenhängen. Die Kurse finden in den verschiedenen Landesteilen statt, meistens bei den Veranstaltern selbst. Für Inhouse-Seminare oder Einzelberatungen werden entweder vereinseigene oder andere öffentliche Räume als Veranstaltungsorte genutzt.

Akquisos:

Wie hoch sind die Teilnehmerbeiträge? Sind Vergünstigungen oder Zuschüsse möglich?

Ingrid Erhardt:

Die Teilnehmerbeiträge sind sehr moderat. Da das Gesamtangebot bereits subventioniert ist, sind Teilnehmervergünstigungen nur in ganz wenigen Ausnahmefällen angemessen und möglich.

Für Anfragen steht Ingrid Erhardt unter folgender Adresse zur Verfügung: BONUS Freiwilligen-Akademie Niedersachsen, Hausmannstraße 9-10, 30159 Hannover, Tel.: 0511 16403-15, Fax: 0511 16403-91, info@freiwilligenakademie.de.

Der Newsletter Akquisos der Bundeszentrale für politische Bildung kann unter www.bpb.de/newsletter abonniert werden. Die vollständige Ausgabe des Newsletters, in dem das Interview erschienen ist, steht hier zum Download bereit  (PDF, 120 KB).

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