Für mich und für andere

Aus freien Stücken anderen helfen. Im Naturschutz Nistkästen anbringen und Fußwege sauber halten. Im Jugendclub eine Disco organisieren. Mit alten Menschen mal einen Spaziergang unternehmen. In Russland in einem Kinderheim arbeiten. Im Sportverein Kids das Dribbeln beibringen. Oder auf der Open-Air-Bühne mit Kindern Griffe auf der Rockgitarre üben...

Allen Skeptikern zum Trotz tun das Zehntausende Jugendliche Tag für Tag. Schlagworte wie "Werteverfall" oder "Null-Bock-Generation" greifen nicht. Umfragen belegen: Junge Menschen stehen freiwilligem Engagement aufgeschlossen gegenüber, wenn sie es als persönliche Bereicherung erleben und sich ihnen damit neue Erfahrungsfelder und menschliche Kontakte eröffnen. Die 16. Shell-Studie (2010) hält fest: 39 Prozent der Jugendlichen setzen sich häufig für soziale oder gesellschaftliche Zwecke ein.

Das freiwillige soziale Jahr (FSJ) und das freiwillige ökologische Jahr (FÖJ) bieten Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zum Alter von 26 Jahren eine Grundlage, ihr Engagement zu erproben. Wer die Vollzeitschulpflicht erfüllt hat, jünger als 27 Jahre ist und zwölf bis 18 Monate seiner Zeit zur Verfügung stellen möchte, hat die Möglichkeit, sich bei einem der freien Träger zu bewerben und ein freiwilliges Jahr im Umweltbereich oder bei einer sozialen Einrichtung zu absolvieren. Und neuerdings können interessierte Jugendliche auch im kulturellen Bereich oder bei einem Sportverein ein solches Jahr verbringen.

Im Unterschied zu anderen Freiwilligendiensten stehen FSJ und FÖJ auf einer gesetzlichen Grundlage und werden durch den Bund mitgefördert. Das bedeutet: Die Jugendlichen gehen mit den Trägern ein ordentliches Vertragsverhältnis ein, der Versicherungsschutz ist gewährleistet und für eine pädagogische Begleitung ist gesorgt. Das bedeutet aber nicht, dass jeden Morgen die Stechuhr wartet. Viele Träger vereinbaren flexible Zeiten, und wenn es abends später wird, kann der nächste Tag auch mal kürzer ausfallen. FSJ und FÖJ werden von erfahrenen Organisationen gemanagt, die sich mit Jugendarbeit und den Bedürfnissen junger Menschen auskennen.

Dazu gehören z.B. die zahlreichen Träger, die den folgenden bundesweit aktiven Dachorganisationen zuzurechnen sind:

  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Arbeiterwohlfahrt
  • Internationaler Bund
  • Der Paritätische Wohlfahrtsverband
  • Jugendaufbauwerk Berlin
  • sowie die Jugendorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirchen.

Alle Freiwilligendienste vermitteln neue, wichtige, spannende, persönliche Lernerfahrungen. Die Jugendlichen lernen an den gestellten Aufgaben, entwickeln sich weiter, gewinnen an Selbstständigkeit. Die pädagogische Begleitung sichert diese ab.

Alle Freiwilligendienste bieten die Gelegenheit, sich für andere einzusetzen, etwas zu bewirken, Verantwortung zu übernehmen, sich an der viel beschworenen Bürgergesellschaft zu beteiligen.

Alle Freiwilligendienste vermitteln Kontakte zu gleich gesinnten anderen Jugendlichen aus dem In- und Ausland. In den Vor-, Zwischen- und Abschlussseminaren lernt man sich kennen und gründet Freundschaften fürs Leben. Vielleicht entwickelt man auch Spaß daran, nach Abschluss eines FSJ/FÖJ weiterhin für sich und für andere engagiert zu bleiben.

Alle Freiwilligendienste vermitteln Einblicke in ein mögliches Berufsfeld - nicht nur im sozialen Bereich, sondern auch auf dem Umweltsektor, in der Kultur, in den Medien, im Vereinssport.

Nach einer Umfrage unter den Freiwilligen beurteilen 91 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr freiwilliges soziales bzw. ökologisches Jahr mit gut oder sehr gut. Als wichtigsten Grund für die Bereitschaft, ein Jahr freiwillig soziale Hilfe zu leisten, bekannten sich nach einer Untersuchung über die Akzeptanz des FSJ die meisten zu der Aussage: "Ich möchte mich über Tätigkeiten im sozialen Bereich informieren."

Besonders die Möglichkeit, den freiwilligen Einsatz mit konkreten praktischen Erfahrungen in einem beruflichen Umfeld zu verbinden, ist für viele Jugendliche verlockend. Auch wenn das FSJ und das FÖJ in erster Linie ein soziales und ökologisches Bildungsjahr sind, so haben die Freiwilligendienste doch auch einen Bezug zur Arbeitswelt und zur beruflichen Orientierung und Qualifizierung. Studien belegen, dass der Freiwilligendienst auf dem Weg in die berufliche Zukunft für fast alle Jugendlichen eine richtungweisende Funktion einnimmt und den jungen Menschen angesichts der verschiedenen Wahlmöglichkeiten hilft, eine begründete Entscheidung für ihren weiteren Lebensweg und auch Berufsweg zu treffen. Die Erfahrung anderer Lebenswelten und Arbeitszusammenhänge, die Begegnung mit fremden Sprachen und Kulturen, das Erlebnis "Ich werde gebraucht" - das alles sind Lernerfahrungen, die für ein Hineinwachsen in die Gesellschaft und auch in das Europa von morgen unerlässlich sind. Das FSJ und FÖJ bieten Jugendlichen die Chance.

Ob Hauptschülerinnen und Hauptschüler, Realschulabsolventinnen und Realschulabsolventen oder Abiturientinnen und Abiturienten - das Angebot, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr zu verbringen, richtet sich an alle. Die Palette der Einsatzmöglichkeiten reicht vom praktischen Einsatz im Krankenhaus über die Denkmalpflege bis hin zu einer künstlerisch-kreativen Tätigkeit. Für inländische und ausländische Jugendliche bietet sich die Gelegenheit, im Rahmen eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres soziale und berufliche Schlüsselqualifikationen zu erwerben und so die eigenen Zukunftschancen zu verbessern.

Die pädagogische Begleitung stellt sicher, dass junge Menschen für sich größtmöglichen Lerngewinn im Sinne von Persönlichkeitsentwicklung ziehen können. Jugendliche, die ein FSJ/FÖJ absolvieren, lernen und vertiefen die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für sich und für andere. Junge Menschen werden in diesen manchmal auch schwierigen Prozessen nicht alleine gelassen.

Freiwilligendienste bringen auf diese Weise eine Menge für die, die sich engagieren. Gleichzeitig helfen sie anderen: Alten, Kranken, Behinderten, der Umwelt. Wer sich freiwillig engagiert, erlebt die Wirkung - und damit den Sinn - des eigenen Handelns unmittelbar. Dass man für andere etwas erreichen kann, ist eine wichtige und schöne Erfahrung im Freiwilligendienst, die oft auch ein Leben lang fortwirkt. Die Lust am Engagement bedeutet auch Teilhabe an der Gesamtgesellschaft. Die hält nämlich nur dann zusammen, wenn immer wieder Menschen einander helfen, für einander einstehen, zusammen etwas tun. Dies bedeutet: Wer sich hier engagiert, trägt zu einem solidarischen Miteinander und zu einer lebendigen Demokratie bei.

Fazit: Freiwilligendienste verlangen ein zeitlich befristetes bürgerschaftliches Vollzeit-Engagement. Sie sind ein Ort des sozialen Lernens. Den Bildungsprozess, den Jugendliche hier erleben, kann keine Schule bieten. Junge Frauen und Männer können sich grenzübergreifend am sozialen und kulturellen Zusammenwachsen beteiligen.

Wie bewerbe ich mich? Wer macht was? Welche Möglichkeiten gibt es?

Das Freiwillige Soziale Jahr und seine Vorläufer gibt es seit 1954, das Freiwillige Ökologische Jahr wurde 1998 als Modellprojekt in verschiedenen Bundesländern eingeführt und 2002 offiziell begründet. Seit deren Einführung haben sich weit mehr als 300.000 junge Menschen für ein freiwilliges Jahr entschieden.

In jedem Bundesland gibt es Anlaufstellen, die für FSJ und FÖJ zuständig sind. Für das freiwillige soziale Jahr im kulturellen Bereich sind die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ) und die entsprechenden Landesvereinigungen die richtige Adresse. Für das freiwillige soziale Jahr im Sport ist es die Deutsche Sportjugend in Frankfurt. Arbeiterwohlfahrt, die Katholische Kirche, das Deutsche Rote Kreuz, der Internationale Bund und das Jugendaufbauwerk Berlin sind einige Anlaufstellen für Dienste im Ausland.

Die Bewerbungsfristen sind nicht in allen Bundesländern und bei jedem Anbieter gleich, deswegen am besten gleich nachfragen. Empfehlenswert: eine kurze Beschreibung der Beweggründe für eine Teilnahme am FSJ/FÖJ zum Bewerbungsbogen hinzufügen. Der Träger setzt sich mit der Bewerberin oder dem Bewerber in Verbindung, lädt zum Gespräch ein und erörtert alle Fragen.

Wichtig: Die Entscheidung über die Zulassung zu einem freiwilligen Jahr liegt beim Träger.

Vielfältige Möglichkeiten

Den "klassischen" Dienst FSJ hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durch Modellprojekte auch für andere Aufgabenbereiche eröffnet, so z.B. gemeinsam mit der Deutschen Sportjugend für die Jugendarbeit im Sport und zusammen mit der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung für den kulturellen Bereich. Diese Möglichkeiten sind nach ihrer Erprobung auch Inhalt des zum 1. Juni 2002 in Kraft getretenen FSJ-Förderungsänderungsgesetzes.

Der Freiwilligendienst ist nicht an ein Mindestalter gebunden, sondern kann direkt im Anschluss an die Schule geleistet werden. Das Höchstalter bei Beginn des Dienstes liegt bei 26 Jahren. Der freiwillige Dienst kann über die zwölf Monate hinaus bis auf 18 Monate verlängert werden - das betrifft allerdings nur den Dienst im Inland.

Auslandseinsatz

Freiwilligendienste sind auch im außereuropäischen Ausland möglich. Voraussetzung ist, die Stelle im Ausland arbeitet mit einem deutschen Träger zusammen, der im Inland im Sinne der Bestimmungen anerkannt ist. Die gesetzlich vorgeschriebene und vom Bundesministerium mitgeförderte pädagogische Begleitung der Jugendlichen wird auch hier sichergestellt.

Bildungsanspruch und Seminare

"Das freiwillige soziale Jahr wird pädagogisch begleitet", heißt es im Gesetz. Während der Einsatzzeit muss der Träger eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner zur pädagogischen Begleitung zur Verfügung stellen. Außerdem sind 25 Seminartage gemeinsam für alle Freiwilligen einer Region oder eines Bundeslandes verpflichtend. Sie liegen meist zu Anfang, in der Mitte und am Ende des Jahres.

Soziale Absicherung

Die Freiwilligen sind sozial abgesichert. Sie erhalten Versicherungsschutz für den Krankheits- und Pflegefall ebenso wie Kindergeld und Kinderfreibeträge. Die Zeit des freiwilligen Dienstes wird für die Altersversorgung angerechnet. Sie sind rechtlich so gestellt wie junge Menschen, die in einer Berufsausbildung stehen.

Doch was für Azubis gilt, gilt auch für die Freiwilligen. Wer sich für ein freiwilliges Jahr meldet, muss wissen, dass ihm/ihr in dieser Zeit nichts geschenkt wird. FSJ-/FÖJ-lerinnen und FSJ-/FÖJ-ler bekommen Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung und erhalten ein Taschengeld. Sie sind ganztägig in den Alltag der Klinik, der Tagesstätte, der Ökologischen Station oder des Sportvereins eingebunden. Getan wird, was ansteht: Betten machen, Abwasch erledigen, einen Garten umgraben, Unkraut jäten...

Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Kultur

 

Bewerben Sie sich jetzt als Einsatzstelle für das FSJ Kultur!

Kultureinrichtungen aller Sparten können sich bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e.V. (LKJ)  als Einsatzstelle für das FSJ Kultur bewerben. Dabei erleben Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren ein ganzes Jahr lang das Entstehen von Kultur direkt mit.

Teilnehmer am FSJ Kultur zeichnen sich aus durch ein hohes Maß an Interesse für den kulturellen Bereich. Sie als Einsatzstelle können so motivierte, junge Mitarbeiter für ein Jahr gewinnen. Dazu bekommen Sie neue Impulse für die eigene Arbeit, auch weil die Freiwilligen einen guten Kontakt zur Zielgruppe der Einrichtung herstellen können. Die Arbeit mit den Jugendlichen ist bereichernd, denn sie unterstützen Sie bei Ihren täglichen Tätigkeiten engagiert, neugierig und kreativ.

Bewerbungen von Einsatzstellen werden laufend von der LKJ entgegen genommen. Für den Einsatz von Freiwilligen zum 1. September muss die Bewerbung bis zum 15. Februar eingegangen sein. Den Bewerbungsbogen und viele weitere Informationen rund ums FSJ Kultur gibt es im Internet unter www.lkjnds.de.

Fragen senden Sie per E-Mail an fsjkultur@lkjnds.de.


Bewirb Dich jetzt als Freiwillige/r für das FSJ Kultur!

Nach 10 bis 13 Jahren hast Du von der Schule vielleicht erst mal die Nase voll und willst etwas Anderes kennen lernen? Dann ist das FSJ Kultur genau das Richtige für Dich! Für dich eröffnen sich interessante Betätigungsfelder in Jugendkunstschulen, Medienwerkstätten, Rockmusik-Initiativen, Bibliotheken oder soziokulturellen Zentren. Du bestimmst durch deine Vorlieben und Interessen Deinen Einsatzort.

Im Laufe eines Jahres lernst du die Arbeit "Deiner" Einrichtung kennen, erarbeitest im Team ein Projekt und betreust es. So kannst Du Deine eigenen Fähigkeiten und Grenzen entdecken und erweitern. In Seminaren tust Du etwas für Deine Weiterbildung, tauschst Dich in landesweiten Treffen mit anderen Freiwilligen aus und erhältst im gesamten Zeitraum persönliche Betreuung und Beratung. Dazu erwirbst Du Fähigkeiten, die Du in allen Jobs und Ausbildungen brauchen kannst. Und nicht zuletzt kannst Du überprüfen, ob ein Job im kulturellen Bereich für Dich vorstellbar wäre. Übrigens: Wenn du ein anerkannter Wehrdienstverweigerer bist, dann kannst du statt eines Zivildienstes ein FSJ Kultur absolvieren.

Nächster Bewerbungsschluss ist der 31. März 2007. Start des nächsten Freiwilligenjahres ist der 1. September 2007. Den Bewerbungsbogen und weitere Informationen rund ums FSJ Kultur gibt es im Internet unter www.lkjnds.de.

Bei Rückfragen schicke einfach eine E-Mail an fsjkultur@lkjnds.de.


Aufgabe der LKJ Niedersachsen

Die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e.V. (LKJ) ist als Dachverband von 25 Fachverbänden und Institutionen tätig. Als landesweit agierende Fachverbände sind die Bereiche Musik, Spiel, Theater, Zirkus, Tanz, Rhythmik, bildende Kunst, Kindermuseum, Literatur, Fotografie, Film und Video vertreten. Mehr Infos unter www.lkjnds.de.


(Quelle: Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e.V.)

Diakonie sucht Teilnehmer für FSJ

Zu den Angeboten gehört die Arbeit mit behinderten und alten Menschen sowie Aufgaben in Krankenhäusern, Sozialstationen, Kindergärten, der Jugendhilfe oder Mutter-Kind-Kurheimen. Die Teilnehmenden erhalten neben einem Taschen- und Verpflegungsgeld häufig auch eine kostenlose Unterkunft. Dazu gibt es begleitende Seminare, um sich über die Arbeit auszutauschen und Perspektiven für die eigene Lebensplanung zu erarbeiten. Auch anerkannte Kriegsdienstverweigerer könnten statt des Zivildienstes ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren.

Nähere Auskünfte gibt es hier:

Diakonisches Werk der
Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V.
- Freiwilliges Soziales Jahr -
Ebhardtstraße 3A
30159 Hannover

Telefon: 0511 / 3604-292 oder -293
E-Mail: fsj@diakonie-hannovers.de
Internet: www.fsj-in-niedersachsen.de

 

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